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Donnerstag, 21. März 2013
Donnerstagsvortrag

19 Uhr im Stauferkeller



Wörterbuch

Hier das Original-Vorwort der Autoren in unserem neuen Wörterbuch:

Das neue Wörterbuch

Das neue Wörterbuch

1. Dieses Wörterbuch basiert auf dem “Aachener Sprachschatz” von Prof. Will Hermanns, erschienen nach aufwändiger Bearbeitung seines Nachlasses im Auftrag des Vereins “Öcher Platt” durch Dr. Rudolf Lantin (gest. 2007) und eine größere Helferschar 1970, später auch als broschierte zweibändige Sonderausgabe:

Will Hermanns; Aachener Sprachschatz. Wörterbuch der Aachener Mundart. Hrsg. von Rudolf Lantin. Aachen: J. A. Mayer, 1970.

Der Verein “Öcher Platt” hat bereits im Jahr 2000 den “Aachener Sprachschatz” digital erfasst, ergänzt, überarbeitet und als CD-ROM bzw. Druckausgabe herausgebracht, und zwar – anders als bei Hermanns – in beiden “Richtungen”: Öcher Platt – Hochdeutsch / Hochdeutsch – Öcher Platt:

Aachener Dialekt-Wortschatz. Hrsg. von Karl Allgaier, Jutta und Meinolf Bauschulte und Richard Wollgarten. Aachen: Öcher Platt e. V., 2000.

Bis dahin gab es für die zweite Richtung das Werk von Gottfried Creutz:

Gottfried Creutz: Wörterbuch Hochdeutsch – Öcher Platt. Aachen: J. A. Mayer, 1987.

2. Die Überarbeitung des seit längerem vergriffenen “Sprachschatzes” hat sich nun weitere ehrgeizige Ziele gesteckt. Der Reichtum des Hermanns’schen Werks besteht ja nicht nur in der staunenswert umfassenden Sammlung der Wörter.

(Als Vorläufer sind zu nennen:
Joseph Müller / Wilhelm Weitz: Die Aachener Mundart. Idiotikon nebst einem poetischen Anhange. Aachen/Leipzig: J. A. Mayer, 1836
Ludwig Rovenhagen: Wörterbuch der Aachener Mundart. Aachen: Jacobi, 1912.)

Vielmehr erlaubt die Menge der Verwendungsbeispiele und der originalen Zitate aus der Aachener Mundartliteratur eine immer wieder über das bloße Nachschlagen hinausgehende regelrechte Lektüre, die nicht selten sogar höchst amüsant ist.

Diese Beispiele sollten nun ebenfalls erfasst werden. Dagegen wurden die fast durchgängig vorhandenen Angaben zu Etymologie und Nachbarmundarten nicht übernommen: ihre Prüfung und Ergänzung hätte den zeitlichen Rahmen gesprengt.

Mit der neuerlichen Überarbeitung sollte neben Ergänzungen und Korrekturen auch eine Vereinheitlichung der lexikografischen Erfassung einhergehen. Zahlreiche Begriffe kamen neu hinzu. Der lange Entstehungsprozess hatte viele Ungereimtheiten hinterlassen, z.B. Doppelschreibungen oder widersprüchliche Lösungen bei einfachen gegenüber zusammengesetzten Wörtern.

Noch weiter war das Ziel gesteckt, die Rechtschreibung im Ganzen zu vereinheitlichen – ein Vorhaben, das auch im Hochdeutschen noch in jüngster Vergangenheit viele Schwierigkeiten zu überwinden und Probleme zu entscheiden hatte.
Für das Öcher Platt ist damit nicht nur Vereinheitlichung und Widerspruchsfreiheit gemeint, sondern eine größtmögliche Annäherung der Schreibweise an die tatsächliche Aussprache unter Berücksichtigung der Wortherkunft, ohne den Zeichenvorrat des Alphabets auszuweiten.

3. Die Hauptschwierigkeit besteht darin, dass die Sprechpraxis immer in einer gewissen Bandbreite variiert, deren Einzelformen unmöglich lexikalisch vollständig erfasst werden können. Das gilt schon ein Stück weit in der Hochsprache, soweit sie im tatsächlichen Leben regionale Färbung und einen typischen Akzent annimmt. Das gilt weiterhin für individuelle Sprechsituation und das Temperament des Sprechers/der Sprecherin.

4. Zunächst findet sich eine beträchtliche Palette in der Ausgestaltung von Länge oder Kürze von Vokalen. Das Wörterbuch unterscheidet daher bei der Aachener Mundart drei Grundformen von Länge (während das Hochdeutsche nur zwei kennt, z. B. “Bann” und “Bahn”, wobei meist der verdoppelte Konsonant die Kürze signalisiert, ohne eine eindeutige Lösung zu bieten: man vergleiche “heran” und “Tran”).

Die Mitte zwischen langem und kurzem Vokal stellt speziell in der Aachener Mundart die sog. “Rheinische Kürzung”, der Stoßton dar. So steht zwischen

“Plaatsch” (Pfütze, Regenguss)

und

“Prattsch” (Schlamm)

das gestoßene

“Platsch” (Stelle, Platz),

bei dem hinter dem Vokal die Stimmritze kurz geöffnet wird. So kommt es, dass es – anders als im Hochdeutschen – im Öcher Platt auch kurze geschlossene Vokale gibt:

“setze” (sitzen) im Gegensatz zu “setze” (setzen)
“e”(in) im Gegensatz zu “e”(ein)
“Foss” (Fuß) im Gegensatz zu “loss” (lass!)
“Hof” (Huf) im Gegensatz zu “Hoff” (Hof)
“mösse” (müssen) im Gegensatz zu “Pössje” (Pöstchen)

Als Signal wurde die Unterstreichung gewählt.

Im Öcher Platt unterscheiden sich ferner

“d’r Fal”(Fall) und “de Fall”(Falle);

daneben ist noch die Langform “fahl” (bleich) zu setzen.

Es wird darum, anders als im Hochdeutschen, in geschlossener Silbe konsequent nach dem mittelkurzen Vokal nicht mit verdoppeltem Konsonant gearbeitet:

“Stal” (Stall)
“Man” (Mann) im Gegensatz zu “Kann” (Kanne),
also auch “Wetman” (Witwer), “Houpman” (Hauptmann),

(in zweisilbiger Verteilung jedoch mösse, Röbbe, Köttel).

Wenn im Fall von “Man” auch durchaus, je nach Situation, eine gedehnte Sprechweise vorkommen kann (“Maan”), so wird diese jedenfalls nicht extra im Wörterbuch verzeichnet. Dagegen können Zusammensetzungen eine Kürzung hervorrufen, die als reguläre Aussprache gelten muss:

“Allemannsfrönd” (Jedermannsfreund)
“angermanns” (anderer Leute)

Ähnliches gilt bei langen Lauten, die gewöhnlich durch Doppelvokal bezeichnet werden, in Zusammensetzungen aber an Länge verlieren:

“vööl” (viel) – “völmieh” (vielmehr)
“vöör” (vor) – “verbeij” (v’rbeij; vorbei), “verlejjv” (vorlieb),
“verdatt” (bevor)

Ein Beispiel in umgekehrter Richtung:

“för” (für) – “woföör” (wofür), aber: “fördatt” (damit)

5. Bei Verbindungen mit -rg, -rch, -rv, -lch, -nch o.ä. ist es ein häufiger Effekt, dass der Sprecher, je langsamer (breiter) er spricht, notwendigerweise ein schwaches “e” oder “i” zu Tage fördert:

“Berg” wird zu “Bereg” oder “Berig”
(End-g als schwaches –sch gesprochen)

“ärg” wird zu “ärig”
“Körv” wird zu “Körev”
“dörch” hört sich an wie “dörich”,
“Kerch” wie “Kerich” usf.

Solche Übergänge werden grundsätzlich nicht verzeichnet, sind aber immer möglich. Da auf diese Weise das einsilbige Wort zum zweisilbigen mutiert, finden sich vor allem in metrischen Texten viele Belege. Manche Wörter haben (abweichend vom Hochdeutschen) die Zweisilbigkeit verfestigt. Darum heißt

hochdt. “Milch” im Regelfall “Meelich”.

“mänech” (manch) kann in der Praxis abgeschwächt werden (“mänchenge”)
und auch “mänich” ist möglich.

Verflüchtigen kann sich auch der –g- oder –ch-Laut:

“Meelestööet” (statt “Meelichstööet”)
“Löüsje” (statt “Löüchsje”)
“Rüüchbössje” (statt “Rüüchböchsje”).
Generell ist auch mit anderen Verkürzungen zu rechnen, die nicht eigens aufgeführt werden, z. B.

“du blivs” neben “du blis”
“heä blivt” neben “heä blit”
“ühr blivt” neben “ühr blit”.

Erwähnt sei noch, dass Länge und Kürze auch grammatische Signale sein können, exemplarisch bei der Pluralbildung:

D’r Daag, de Dag
D’r Frönd, de Frönnde
D’r Ärm (auch Äärm), de Ärrm.

Nach der Schreibung der Pluralform richtet sich auch die Schreibung des Diminutivs (Verkleinerungsform): “Ärrmche”.

6. Mit “Auslautverhärtung” wird das auch im Hochdeutschen bekannte Phänomen bezeichnet, dass ursprünglich weiche Konsonanten (Media) am Wortende zwangsläufig hart ausgesprochen werden (als Tenues):

Labiale: Laub wird [Laup] gesprochen
Dentale: Wind wird [Wint] gesprochen
Gutturale: Krieg wird [Kriek] gesprochen

Erst im Plural oder bei der Deklination offenbart sich die eigentliche Lautqualität:

Winde, Laubes, Krieger.

Auslautverhärtung gibt es auch im Öcher Platt (z. B. “leäd”, sprich [leät]). Zum Teil werden sie sogar traditionell in der Schreibweise abgebildet:

Könnek, Könnegge; Härrek, Härregge; Pennek, Pennegge

Umgekehrt darf (anders als im Hochdeutschen) eine häufige Erweichung der Tenues zu Media bei Wörtern erwartet werden, die – gemessen am Hochdeutschen – eine echte Tenuis am Ende aufweisen, z. B. bei jedem schwachen Partizip Perfekt:

avjeschavt, avjeschavde
bedrövvt, bedrövvde
jestovt, jestovde

Analog ändert sich bei folgendem Vokal –ch zu “j” oder “g”:

bänklich, bänklije
baschtig, baschtije
mänich, mänije
wäje, weägt
huech, huege (gesprochen wie r, vgl. “Wagel” neben “Wajel”)
stöech, stöehje

Diese regelhaften Lautwechsel werden grundsätzlich nicht einzeln mitverzeichnet.
Die Sprechpraxis kennt noch manche Nuancen. So wird “wooede” (wurden) gern [wooete] ausgesprochen, “kick ens” (schau mal) gern [kiggens]. Solche Erscheinungen finden keine systematische Aufnahme ins Wörterbuch.

7. Eingang in das Wörterbuch findet auch nicht das Phänomen, dass verlorengegangene End-Konsonanten in Bindungs-Positionen (das nächste Wort beginnt mit einem Vokal) wieder auftauchen. Das gilt vor allem für ursprüngliches End-n:

hochdt. “geboren”

wird regelhaft im Platt zu

“jebore”: “Heä es een Oche jebore.”

Aber:

Weä för ene Eäsel jeboren es, könt net op e Peäd.

Das –n ist nicht notwendig, kann aber auch vor “H” verwendet werden:

Et es jeän Heu jenog jewahße, för alle Eäsele de Mull ze stoppe.

Im zusammengesetzten Wort ist das gleichfalls möglich:

Komiede(n)huus,

auch am Ende eines Satzes:

Et es eän än alleleän.

Se hant em Hof een de Piif jedooen.

Ursprüngliches (verlorenes) –t tritt gern vor anlautendem Vokal zu Tage:

Een dreij Dag södd d'r Hosst ühr quitt.

Noh vezzeng Dag, vlecht ouch dreij Wejche

Als Spross-Dental (vgl. das hochdeutsche “morgendlich” in bloßer Analogie zu “abendlich”) darf man ein sich aufdrängendes nicht-ursprüngliches –d bezeichnen:

Wied ühr wesst,

vielleicht in Analogie zu

wennd ühr kommt.

8. Anders als im Hochdeutschen werden in der Aachener Mundart viele Übergänge von Wort zu Wort gebunden ausgesprochen. Dem trägt die Schreibung nicht Rechnung, im wesentlichen nur mit einer Ausnahme:
Das abgeschwächte Personalpronomen der 3. Person Singular macht aus

“heä” (er) ein flüchtiges “e”

Es wird grundsätzlich an die Verbform hinten angesetzt:

Wenne könt, dann könte.

Wenne net hüre well, da mosse föühle

Dabei stellt sich leicht Doppelkonsonanz als notwendig heraus:

Hatte dat at jesiieh?

Im Gefolge kann es dann auch zu einem Bindungs-n kommen:

Me moss em loufe losse för dat, waten es (wat heä es).

Dat saaten em frank än freij een et Jesech (saat heä höm).

Heä bruucht et Bett mär ze rüüche, da schlieften at.

Heä es esue majer, datten en Jeäß
tösche de Hööener püttsche kan.

Abgeschwächtes “du” dagegen steht getrennt:

Hürs de

Bekicks de

Wenns de (noch ein Spross-Laut).

Nicht verzeichnet wird auch die Variante mit Tenuis, die darum nur in Zusammenschreibung praktiziert werden sollte:

Haste (hast du) neben “has de”

Haste wat kans de

9. Eine weitere Variante im Wort-Auslaut, die Verhärtung der Endung –ong (hochdt.
–ung), wird als Schreibweise -ongk toleriert, aber, sofern es auch die weiche Form gibt, nicht eigens im Wörterbuch erwähnt:

“Erennerong” neben “Erennerongk”
“Jesangboch” neben “Jesangkboch”

aber: “Röckstrangk”

Die Endung –nk wird nur verwendet, wenn das Grundwort kein ursprüngliches –g aufweist (z. B. “bonk”, “Hank”, “Nonk”).

10. Die reiche Palette der Diphthonge erfordert besondere Anstrengungen, die Aussprache möglichst klar in der Schreibweise abzubilden. Allerdings reicht die Zahl der Buchstaben, unser normaler Zeichenvorrat, nicht aus. So ist zu konstatieren, dass mit
“ou”

dreierlei Diphthonge bezeichnet werden müssen:

Boum (Baum): langes ou
Kouh (Kuh): kurzes ou
Knouch (Knochen): langes ou mit Nähe zu au

Im alten Wörterbuch wurde dieser Diphthong auch “au” geschrieben (“Knauch”), verführte aber zur Verwechslung mit dem hochdeutschen “au”, das es im Öcher Platt ebenfalls gibt (en au Frau).

Mehrere Diphthong-Gruppen sind klanglich klar voneinander zu unterscheiden, liegen aber sehr dicht beieinander.

Für zwei Gruppen wurden neue Rechtschreibregeln eingeführt:

a)

ai (wie hochdt. ai):

ich hai jeär (ich hätte gern)

ei (wie hochdt. Ei):

Eier (Eier), weil (weil)

ej :

Ej (Ei), zwej (zwei), lejß (jüngst), Wejch (Woche), Wejg (Weg)

äj:

Wäjsch (Wäsche), Käjser (Kaiser [auch: Kejjser])

eij:

dreij (drei)

-192ejj :

Rejjs (Reise), lejjß (ließ), d'r Ärrmendejj (Armut),
de Kengerejj (Kinderei)

Die Aussprache von ej und äj ist praktisch identisch; die Schreibweise äj wird daher vor allem dann eingesetzt, wenn sie Ablaut zu a ist.

 

b) “öi” ist abgeschafft; bei Hermanns findet sich bereits “öj”

öj: böje (beugen), Wöjel (Gerede)

öjj: nöjj (neu), döjje (schieben), fröjjher (früher), köjje (kauen),
bröjje (brauen, brüten), bröjjhe (brühen), Bröjjhleng (einjähriges Schwein),
wöjj (würde)

öü: Löüfer (Läufer), köühl (kühl), Köüh (Kühe), jlöühe (glühen),
nöü (geizig, genau), Köü (Gerede), öüve (schmeicheln), föühle (fühlen),
köühn (kühn)

Die Aussprache von “öjj” ist meist kürzer als die von öü; die Schreibweise “öü” wird im übrigen vor allem dann eingesetzt, wenn sie Ablaut zu “ou” ist:

loufe, löüfst, Löüfer
Stouhl, Stöühlche
Pouhl, Pöühlche
Prouv, pröüve (nicht: pröive), Pröüvje
Vouel, Vöüel, Vöüelche
(vertretbar auch: Vöjjelche, – wenn et da siie moss J)
Kouh, Köüh, Köühche
Kouch, Köüchesche (Köchin)
Kouel, Köüelche

oder auf langes “ü” zurückzuführen ist:

köühl, jlöühe, föühle, köühn

Nicht mit diesem “öü” zu verwechseln und anders zu sprechen ist das lange “öü” in

Fröüsch (Frosch; früher “Freusch” geschrieben)
Köüste (Kosten; früher “Käuste” geschrieben):

es hat die Nähe zu “eu”, ohne mit dem hochdeutschen Laut in

heusch: (langsam; bei Ferdinand Jansen noch “hösch”)

zusammenzufallen.

11. tz/zz

Es wurde folgende Regelung getroffen:

“zz” steht nur bei ursprünglichem (hochdeutschen) “rz”:

Hazz (Herz)
Fozz (Furz)
vezzeng (vierzehn)
Stazz (Sterz)
Schozzel (Schurz)

Also im übrigen:

Metz (Messer), Krütz (Kreuz),
drötzeng (dreizehn),
schnütze (vgl. Schnute),
Bretzele, Jitzwouf

12. Adjektivformen:

Das Wörterbuch bemüht sich, der Tatsache Rechnung zu tragen, dass einige Adjektive je nach Satzstellung (attributiv oder prädikativ) unterschiedlich ausfallen:

D’r aue Man (der alte Mann)
D’r Man es ooet (der Mann ist alt)

de fröjjhe Stonnd (die frühe Stunde)MB
De Stonnd es fröch (die Stunde ist früh)

D’r vollen Antuen (der betrunkene Anton)
D’r Antuen es vool (Anton ist betrunken)

Einige Adjektive unterscheiden sich im Hauptlaut sogar je nach Geschlecht:

ene aue Man, en au Frau, en ooet Huus

ene hauve Jeck, en hauv Tass, en houv Ponk

Diese Formen werden separat verzeichnet und durch die Beispielssätze erläutert.

13. Bereinigt wurde auch, dass der Svarabhakti-Laut “eä” in manchen Wörtern geschwunden ist:

läje (früher: leäje), jeläje, vawäje

allerdings in Zusammensetzungen (nach unbetonten Silben) noch erhalten bleibt:

hengerleäje, Jeleäjenheät, mingetweäje

14. Französisches “c” mit und ohne Cedille wird “ss”

Merssi, Fassong

15. Stimmhafte Aussprache von “sch” und “ss” wird durch Unterstriche markiert:

Mascherang; efiesche; Fiesch, Fiesche pl.
massakriere; Massel; Massüer

16. Dieses Wörterbuch bietet in möglichster Gründlichkeit

- die Verben mit Präteritum, Partizip II, einschl. wichtiger Nebenformen
- einzelne unregelmäßige Konjugationsformen an ihrer Stelle im Alphabet
- Substantive mit grammatischem Geschlecht und Plural
- Diminutive (Verkleinerungsformen) ebenfalls an eigener Stelle im Alphabet

Die Betonung von zusammengesetzten Substantiven (Doppelwörtern) weicht gelegentlich vom Hochdeutschen ab. Sie wird durch geschweifte Klammern bezeichnet.

Stadthuus [Stadth{uu}s]
Maastrech [Maastr{e}ch]
Lousberg [Lusb{e}rg] (oder [Lus{berg}]
Stadtjade [Stadtj{a}de]
Stromjaaß [Stromj{aa}ß]
Houpbahnhoff [Houpb{ah}nhoff]

17. Die Semantik eines Worts, erst recht bei zwei gleichklingenden Formen, erschließt sich häufig erst bei Konsultation beider Teile des Wörterbuchs. So finden sich z. B. für das hochdeutsche “Schein” sowohl “Schiin” als auch “Drog” (Trug). Der Schein der Sonne könnte also niemals mit “Drog” übersetzt werden.

Diminutive meinen im Mund des Aacheners nicht immer echte Verkleinerungen. Sie können auch einfach Ausdruck zärtlicher Zuneigung sein:

“Bierche” (darf gern ein halber Liter sein), “Weärche” etc.

Weiteren Aufschluss über Bedeutung und Verwendung geben in jedem Fall die zahlreichen Satzbeispiele im ersten Teil, die großenteils auf Will Hermanns zurückgehen. Nur hier finden sich auch die Verweise auf veraltete oder seltene Nebenformen [in eckigen Klammern].

18. Ein Wörterbuch wird nie vollkommen fertig. Mit dem Fehlerteufel ist weiterhin zu rechnen. Für Hinweise sind wir dankbar. Korrekturen und Ergänzungen finden sich auch künftig auf der Homepage des Vereins:

www.oecher-platt.de/Download.html

Das Internet wird zur klanglichen Verdeutlichung ebenfalls eine gesprochene Version dieses Vorworts bieten.

Abschließend ein Wunsch der Bearbeiter: So manches unentdeckte ältere Wort mag noch irgendwo schlummern, z. B. Fachausdrücke verschiedener Handwerke, die bald ganz vergessen sein werden. Jeder solche Fund wäre eine weitere Freude nach dieser insgesamt recht mühevollen, aber auch beglückenden lexikografischen Arbeit.

Aachen, im Juli 2010

Dr. Karl Allgaier
Meinolf Bauschulte
Richard Wollgarten

 

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