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Sonntag, 29. Juli 2012
ÖCHER PLATT im Tierpark
ab 13 Uhr im Eingangsbereich



Nöjjts / Aktuelles

Liebe Freunde des Öcher Platt,

„Augenblick noch, ich mach erst die Dame fertig!"

Von Werner Czempas, AN

Aachen. Ochhärrm, auweia, diese erste Lektion in Aachener Mundart hätte lausig schwer werden können – wenn nicht vorn am Pult ein leibhaftiger Großmeister der Moddersproech als Lehrer „die Klasse„ gefesselt hätte. Gedacht „insbesondere für Neubürger", führte Richard Wollgarten in das „Denken und Handeln der Öcher„ ein. Rund 50 Neu- wie Altbürger, im Weißen Saal des Rathauses aufmerksam im Halbrund um „de Liehrer" sitzend, genossen mit „völ Pläsier" den kurzweiligen Unterricht.

Wenn Richard Wollgarten, Präsident des Vereins Öcher Platt, alljährlich mundart-sprachlich interessierte Neu-Aachener begrüßt, ist Heiterkeit garantiert. Wollgarten mengt Vergnügliches und Philosophisches und Heimatkundliches in nicht versiegendem lockeren Plauderton, blickt in die Geschichte und führt von einer Anekdote zum nächsten Ameröllche, aufgeschnappt auf Straßen und Plätzen, beim Metzger und Frisör, in der Familie und beim Vetter aus Düren, in Kneipe und Kirche und am Kiosk – und das alles, um liebevoll von diesen Öchern, „einem Völkchen für sich„, und ihrem Öchesch zu erzählen. Auch das eine „Mundart für sich", sagt Wollgarten, habe doch der Germanistik-Professor Lange das Öcher Platt als „eigentümlich dastehende Mundart in der deutschen Dialektlandschaft„ bezeichnet.

Richard Wollgarten ist schnell bei seinem Credo, das seine Vorträge wie ein roter Faden durchzieht und das die Einheimischen längst kennen: „Der Aachener spricht allerdings nicht nur sein Platt. Irritierend kann dass jedoch für Nicht-Aachener werden – da der Aachener in Öcher Platt denkt, auch wenn er Hochdeutsch spricht. Und das hat Folgen!"

Jetzt ist der Sprach-Virtuose in seinem Element, jetzt kann er gestenreich und augenzwinkernd seine Kunst und sein Wissen zelebrieren. „Der Aachener kann auch Hochdeutsch oder zumindest das, was er darunter versteht", gluckst Wollgarten.

Also denn, Öcher Huechdütsch: Können Sie mich auch hinten hören? Wir wollen uns auf den Kopf setzen (ob de Kopp, ans Kopfende). Was hab ich für ‘ne Größe in der Hose? (im Modeladen Mann zur Frau). Das Wetter ist schön. Man kann sogar ohne Arme gehen (Maue = Ärmel). Ein englischer Verwandter hat in Aachen „et juscht met Emmere erav„ (es gießt wie aus Eimern) aufgeschnappt; daheim starrt er in den grauen Londoner Knies und kommentiert: „It’s jusching!"

Die vielen Formen des „sich": Da kenn ich mich. Der geht sich beichten. Ich koch mich noch jeden Mittag selbst. Ich setz mich noch etwas aufs Feuer. Oder: Meine Eltern sind zu früh umgekommen (klagender Jüngling über zu früh zurückkehrende Eltern, was ihm die sturmfreie Bude vermasselte). Augenblick noch, ich mach erst die Dame fertig (Metzgermeister im Laden zu wartenden Kunden). Tu dir den Schal in den Hals (bei schlechtem Wetter) oder: Tu dir was in die Füße. Ich kennse, aber ich komm nicht aufse.

So geht das Schlag auf Schlag. Und noch schnell Öcher Mentalität karikierend, wonach für den Aachener Geschichte eigentlich erst mit Karl dem Großen beginnt. „Auf ne römische Piscine in der Baugrube gestoßen? Römisch? Vor Kaiser Karl? Jibt et nicht, weg damit!„ Öcher Mentalität: Stammtisch, die Bierrunden laufen, nur einer sitzt bei Kaffee auf Kaffee. Sagt einer zu ihm: „Saach, drenks du nüüß?„ Auch das: Nicht das Kölnische im Osten, sondern die Sprache des nördlichen Rheinlands und das Niederländische sind „die nächsten Verwandten„ der Aachener Mundart und haben Spuren hinterlassen, auch französische Begriffe fanden Eingang und das schon lange vor Napoleon und der Franzosenzeit.

„Ene Jeck hält sich draa!", zitiert Richard Wollgarten geflügeltes Öcher Wort (nur ein Narr hört nicht auf) und stoppt nach gut einer Stunde seinen mit viel Beifall bedachten Unterricht. „Ochhärrm!" wäre die passende Antwort „op jot Öchesch". Ochhärrm – Ausdruck höchsten Bedauerns.

„Der Aachener kann auch Hochdeutsch – oder das, was er darunter versteht."

Richard Wollgarten, Präsident des Vereins Öcher Platt


Dörch Oche op Öcher Art

Zugunsten des Hilfsfonds für KINDER IN NOT "Nele und Hanns Bittmann e. V." bietet Richard Wollgarten einen Streifzug durch die Aachener Innenstadt, natürlich nicht ganz frei von Öcher Platt, angereichert mit allerlei Anekdoten zu Aachens Sehenswürdigkeiten. Ein Rundgang für Jung und Alt - unterhaltsam, sagenhaft und geschichtsträchtig. Anmeldungen (am besten natürlich Gruppen!) unter internet@oecher-platt.de oder 02471-8622. Richard Wollgarten bittet die Teilnehmer um eine angemessene Spende für bedürftige Kinder der Region Aachen (z. B. Kinder 5 €, Erwachsene 10 €).

Also: Zum Geburtstag oder zu Weihnachten auf Geschenke verzichten und eine Stadtführung zugunsten KINDER IN NOT in der Region Aachen verschenken. :-)

Sonstige Infos: www.kinderinnotaachen.de


NEUER AACHENER SPRACHSCHATZ

Hier ein wunderbarer Artikel von Bernd Büttgens zum NEUEN SPRACHSCHATZ aus der Aachener Zeitung vom 11.03.2011:

Was ist der Plural von Vouel? Vöüel? Oder Vöjjel?
Ein sprachwissenschaftliches Plädoyer für die beherzten Worte in Öcher Platt. Der Linguist Dr. Karl Allgaier schwelgt in üppigen Tönen. -

Zum Preis von nur 63 € ist zu sagen:

Es handelt sich eigentlich um zwei Wörterbücher (Öcher Platt - Hochdeutsch und Hochdeutsch - Öchr Platt), die vor Jahrzehnten bereits über 80 DM kosteten. Dass wir den Preis für das neue Wörterbuch vergleichsweise niedrig halten konnten, hat gute Gründe: Die Erstellung des umfangreichen Werkes erfolgte ehrenamtlich. Zudem verzichtet der Verein auf Verkaufsgewinn – gemäß seinem vordringlichen Ziel:
Pflege und Erhaltung der Aachener Mundart.

Hier das Vorwort der Autoren zum neuen Wörterbuch.


Wir freuen uns über jede Email an

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mit Kritik, Anregungen und Beiträgen!

Bis bald!

Meinolf Bauschulte
Internet-Redaktion

 

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